Dienstag, 1. Oktober, 20 Uhr / Kaminraum


Ausstellung Warlam Schalamow

György Dalos, Sherko Fatah, Herta Müller und Katja Petrowskaja lesen Texte von Warlam Schalamow.

Im Juni dieses Jahres sagte die diesjährige Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels, Swetlana Alexijewitsch, in einem Interview: »Ich bewundere Solschenizyn natürlich. Sein alternatives Geschichtswerk ist eine große Tat. Dennoch würde ich es heute wohl nicht wieder lesen. Solschenizyn schildert das Gulag-Dasein als etwas trotz allem Sinnvolles, weil es den Menschen auch reinige. Mir steht sein literarischer Antipode Warlam Schalamow viel näher. Schalamow war überzeugt, daß die Erfahrung des Lagers keinen Sinn und keinen Nutzen habe, sie verderbe nur Henker und Opfer gleichermaßen. Der harte Dokumentarstil von Schalamows Lagerprosa inspiriert mich bis heute. Dabei ist mir vor allem die Musik des Textes wichtig.«
Nicht wenige Autoren haben sich bei Erscheinen der ersten Bücher von Warlam Schalamow ähnlich beeindruckt geäußert wie Swetlana Alexijewitsch.

Eintritt frei


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Freitag, 4. Oktober, 20 Uhr / Kaminraum


Alban Nikolai Herbst: Argo. Anderswelt

Die Druckwelle ging von der Brücke aus. Für beinahe eine Minute schwoll sie erst hellgelb, dann orange an, das Tragegestänge glühte, wurde weißblau flüssig ballonhaft, blähte sich, aus den Rohren schossen Gase und Abwässer, aggressiv verdampft. Unten sengte ein dichter fauchender Sturm die Themse, ein Materie gewordener zischender Bug, der sie höhlte, seine gerundete Hitzefaust von kreischendem Wasser umbrodelt. Und oben, wer da ging, deflagrierte; verpufft, wer da fuhr: Lieferwagen, die Omnibusse der Flughafenlinie, Taxen, alle anderen Automobile.

                                                             Alban Nikolai Herbst

Insgesamt siebzehn Jahre hat Alban Nikolai Herbst an den drei Bänden seiner »Anderswelt«-Trilogie gearbeitet; 1994, unmittelbar nach dem Erscheinen seines großen »Wolpertinger«-Romans begonnen, kommt sie nun – nach »Thetis. Anderswelt. Fantastischer Roman« (1998) und »Buenos Aires. Anderswelt. Kybernetischer Roman« (2001) – mit »Argo. Anderswelt. Epischer Roman« (Elfenbein Verlag) zum Abschluß. »Es ist eine kühl kalkulierte Ästhetik des digitalen Zeitalters und der Epoche gentechnischer Manipulationen, die sich zugleich selbstbewußt der literarischen Tradition bedient«, befindet der Literaturwissenschaftler Christoph Jürgensen.

Alban Nikolai Herbst liest aus dem soeben erschienenen Roman.
Moderation und Gespräch: Christoph Jürgensen.

Eintritt: 5.- / 3.- EURO

 

Sonntag, 6. Oktober, 20 Uhr / Kaminraum


Ausstellung Warlam Schalamow

Warlam Schalamow: Meine verschiedenen Leben
Filme, 82 Min.

Ausgehend von autobiographischen Texten Schalamows realisierte Alexandra Swiridowa 1990 mit besonderen Lebenszeugnissen, Fotos und Filmausschnitten eine Dokumentation, die Schalamows Schicksal eindrücklich vergegenwärtigt: »Meine verschiedenen Leben« (49 Min., dt. U.). In dem 2006 von Larissa Schalamowa produzierten Film »Inseln« berichtet Irina Sirotinskaja von ihren Begegnungen mit Schalamow: Der Hartnäckigkeit I. Sirotinskajas ist es zu verdanken, daß sein literarischer Nachlaß schließlich im Moskauer Literaturarchiv gesichert werden konnte (33 Min, dt. U.).

Für die deutschen Untertitel danken wir Gabriele Leupold und Heike Winkel.

Eintritt frei


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Sonntag, 13. Oktober, 20 Uhr / Kaminraum


Ausstellung Warlam Schalamow

Alexander Solschenizyn: Der Kampf eines Mannes
Dokumentation von Pierre-André Boutang und Annie Chevallay, ARTE France/On Line Productions 2005, 60 Min.

Schon sein ausführlicher Brief an Solschenizyn (1918-2008) nach der Veröffentlichung des »Iwan Denissowitsch« 1962 in der Zeitschrift Novyi mir zeigt neben Schalamows Einverständnis seine grundsätzlichen Vorbehalte, daß der Gulag nicht in der russischen Erzähltradition des 19. Jahrhunderts, Tolstoj folgend, geschrieben werden kann. Nach zwischenzeitlicher Annährung bricht schließlich Solschenizyn den Kontakt zu Schalamow ab, nachdem dieser 1972 in der Literaturnaja gazeta einen offenen Brief drucken ließ, in dem er sich von der Publikation seiner »Kolyma«-Texte im Westen distanzierte und deren Gegenstand als inaktuell abtat.
Solschenizyn, 1945 verhaftet und 1953 aus dem Gulag entlassen, wurde 1970 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet und 1974 aus der Sowjetunion ausgewiesen - Ende Dezember 1973 war im russischen Emigranten-Verlag YMCA-Press in Paris sein epochaler Roman »Der Archipel Gulag« erschienen.

Die von ARTE France produzierte Dokumentation versammelt zeitgeschichtliche Aufnahmen der offiziellen UdSSR aus den 60er Jahren, schildert die rigide Verfolgung Solschenizyns durch den KGB und zeigt Gespräche mit Freunden: Heinrich Böll, André Glucksmann u.a.

Eintritt frei

 

  Wir danken ARTE für die freundliche Unterstützung.
 


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Dienstag, 15. Oktober, 15 Uhr / Kaminraum


na brodu. Literatur aus Kroatien

Miroslav Krleža (1893-1981). Meisterschaft und Fragwürdigkeit
Ein Symposium der Deutschen Gesellschaft für Kroatistik

Der Beitritt Kroatiens zur EU macht die Jahrhunderte währende Gemeinschaft dieser Region mit der europäischen Kultur wieder gegenwärtig. Zu diesem Anlaß findet das Symposium der Deutschen Gesellschaft für Kroatistik (Berlin/Bamberg) zu Miroslav Krleža, einem der wichtigsten kroatischen Autoren im ehemaligen Jugoslawien, statt. Mit großer Sprachgewalt und Produktivität war dieser Schriftsteller in vielen Literaturen zu Hause. 1961 stand er zusammen mit Ivo Andrić für den Nobelpreis zur Wahl.

Als einer der großen Gründergestalten der modernen kroatischen Literatur gehört Miroslav Krleža heute zum festen Bestand der europäischen Literaturen, der Verwurzelung mit Grenzüberschreitung zu verbinden wusste und mit seinen Werken eine Literatur der historischen Region Pannoniens (zwischen Wien, Ungarn, Kroatien) schuf. Er erforschte die Potentiale der kroatischen Sprache und ihrer regionalen Sprechweisen (Kajkavisch). Vor dem Hintergrund von Gesellschaftskritik, Krieg, Niedergang und später des kommunistischen Jugoslawien entfalten sich seine Werke mit einer an Thomas Manns Roman- und an Marcel Prousts Erinnerungstechnik gemahnenden Intensität, z. B. der Roman »Die Rückkehr des Filip Latinović« (1932). Mit seinem Drama »Die Glembays« (1928) schuf Miroslav Krleža die kroatischen »Buddenbrooks«.

Die Wirkung von Miroslav Krleža ist unumstritten, aber durchaus auch fragwürdig. Neben den gewaltigen von ihm ausgehenden Anregungen und Forschungsimpulsen steht die Frage im Raum, ob sein Einfluss und Gewicht literarische Entwicklungen in Kroatien auch behindert haben.

Das Symposion findet unmittelbar im Vorfeld des kroatischen Literaturprogramms Na brodu im Literaturhaus Berlin statt und bietet mit einem abschließenden Runden Tisch, an dem auch kroatische Autoren teilnehmen werden, eine thematische Überleitung  zum Programm der kroatischen zeitgenössischen Literatur. Zuvor eröffnen drei Vorträge mit Diskussion Zugänge zu Miroslav Krleža:

Alida Bremer (Münster): Der kroatische Gott Mars: Der erste Weltkrieg und Krležas Schreiben
Marijana Erstić (Siegen): Unter dem Stern von Niedergang und Katastrophe: »Die Glembays« als die kroatischen »Budenbrooks«
Angela Richter (Halle), Anne Cornelia Kenneweg (Leipzig): Unter dem Dach der europäischen Kultur: Erasmus von Rotterdam, Miroslav Krleža und die europäische Moderne

Im Anschluß daran folgt das Podiumsgespräch: Miroslav Krleža heute. Inspiration oder Bremse? Teilnehmer: Alida Bremer, Elisabeth von Erdmann, Verena Nolte, kroatische Schriftsteller u.a. Gäste.

Eintritt frei

 

Dienstag, 15. Oktober, 20 Uhr / Kaminraum


na brodu. Literatur aus Kroatien

Lesung und Gespräch mit Slavenka Drakulić, Igor Štiks und Bora Ćosić
Moderation: Alida Bremer

Kroatien, das nun 28. Land der Europäischen Union, bringt die 24. Sprache in die Wirtschafts- und Kulturgemeinschaft ein und tritt mit einer jungen, selbstbewußten, universellen, zugleich in europäischer Tradition verwurzelten Literatur auf. na brodu/an Bord stellt diese Literatur in Deutschland vor.
Der erste Berliner Abend bringt drei Schriftsteller aus drei Generationen zusammen, die Anfang der 90er Jahre von Krieg und Nationalismus ins Ausland getrieben wurden, was sie nicht daran hinderte, ihrem Herkunftsland stark verbunden zu bleiben.

Slavenka Drakulić, geboren 1949 in Rijeka, zählt zu den bekanntesten und meist übersetzten Schriftstellerinnen Kroatiens. Sie veröffentlicht Essays, Romane und Sachbücher und schreibt für zahlreiche Zeitungen und Magazine. Für die Zeitschrift The Nation magazine (USA) arbeitet sie als Redakteurin. Zu ihren bekanntesten Büchern in deutscher Übersetzung zählen »Balkan Express« (1992) und »Café Europa« (1996). 2005 wurde sie für »Keiner war dabei – Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht« mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet. Slavenka Drakulić lebt in Schweden und Kroatien.

Igor Štiks, geboren 1977 in Sarajevo, Bosnien/Herzegowina. Für seinen Roman »Ein Schloss in der Romagna« (2002) erhielt er den Slavić Preis für das beste Debüt Kroatiens. Das Buch wurde auch ins Englische und Spanische übersetzt. Die englische Übersetzung wurde 2006 für den International IMPAC Dublin Literary Award nominiert. Sein zweiter Roman erschien 2008 in der deutschen Übersetzung von Marica Bodrožić unter dem Titel »Die Archive der Nacht«. Igor Štiks ist Post-Doc-Stipendiat der University of Edinburgh.

Bora Ćosić ist ein serbischer und kroatischer Prosaschriftsteller, Essayist und Lyriker, der 1932 in Zagreb geboren wurde und bis Anfang der 90er Jahre in Belgrad lebte. Er gilt als einer der großen europäischen Schriftsteller und hat in über 30 Prosa- und Essaybüchern und in unterschiedlicher, wenn auch wiedererkennbarer Form das Sinnlose, Groteske, Absurde und Tragische der Geschichte des Balkans gezeichnet. Ćosić lebt in Berlin und Rovinj/Kroatien.
Zuletzt veröffentlichte er in deutscher Übersetzung: »Im Ministerium für Mamas Angelegenheiten. Geschichten über alle möglichen Gewerbe« (2011) und »Eine kurze Kindheit in Agram. 1932-1937« (2011).

Marica Bodrožić und Ernest Wichner lesen die deutschen Texte.

Kooperationspartner: Kulturallmende gUG, Kroatien Kreativ 2013

Gefördert durch: Auswärtiges Amt, Ministerium für Kultur der Republik Kroatien; mit partnerschaftlicher Unterstützung durch h,d,p, Schriftstellervereinigung Kroatiens und Goethe-Institut Kroatien

Eintritt: 5.- / 3.- EURO

 

Mittwoch, 16. Oktober, 20 Uhr / Kaminraum


na brodu. Literatur aus Kroatien

Lesung und Gespräch mit Ivana Bodrožić und Ivana Šojat-Kuči
Moderation: Alida Bremer

Am zweiten Abend von na brodu treten zwei Schriftstellerinnen aus Slawonien im Osten Kroatiens auf, Ivana Šojat-Kuči, 1971 in Osijek an der Drava, und Ivana Bodrožić 1982 unweit davon in Vukovar an Vuka und Donau geboren. Beide Autorinnen wurden jung Zeuginnen des Krieges, in dem Vukovar zerstört und Osijek belagert und beschossen wurde.

Ivana Bodrožić, geboren 1982 in Vukovar. Sie studierte Kroatistik, Literatur und Philosophie an der Universität Zagreb. 2005 veröffentliche sie ihren ersten Gedichtband. Ihre Gedichte wurden in internationalen Literaturmagazinen und Anthologien zeitgenössischer kroatischer Lyrik abgedruckt, im Deutschen in der Anthologie »Konzert für das Eis. Gedichte aus Kroatien« (2010). Für ihr Romandebüt »Hotel Nirgendwo« (2012) , von Marica Bodrožić ins Deutsche übersetzt, erhielt sie in Kroatien mehrere Preise, u.a. den Kiklop-Preis für den besten Roman 2010.

Ivana Šojat-Kuči wurde 1971 in Osijek, Kroatien, geboren, wo sie heute, nach längerem Aufenthalt in Belgien, wieder lebt. Sie veröffentichte mehrere Gedichtbände und eine Sammlung von Kurzgeschichten sowie den Essayband »Und all die Masken werden fallen«. 2009 erschien ihr viel beachteter Roman »Unterstadt« (Originaltitel). In ihrem Roman erzählt sie vom Schicksal einer deutschen Osijeker Familie im 20. Jahrhundert; Frauen aus vier Generationen, die zuletzt auch mit dem Grauen des Zweiten Weltkriegs konfrontiert sind. Als Übersetzerin hat sie zahllose Bücher aus dem Englischen und Französischen ins Kroatische übersetzt.

Marica Bodrožić und Ernest Wichner lesen die deutschen Texte.
Moderation: Alida Bremer

Kooperationspartner: Kulturallmende gUG, Kroatien Kreativ 2013

Gefördert durch: Auswärtiges Amt, Ministerium für Kultur der Republik Kroatien; mit partnerschaftlicher Unterstützung durch h,d,p, Schriftstellervereinigung Kroatiens und Goethe-Institut Kroatien

Eintritt: 5.- / 3.- EURO

 

Donnerstag, 17. Oktober, 20 Uhr / Kaminraum


Ausstellung Warlam Schalamow

Warlam Schalamow: Das vierte Wologda und Erinnerungen

»Das vierte Wologda« ist Schalamows Buch der Erinnerungen an die Kindheit und frühe Jugend in seiner nordrussischen Geburtsstadt, deren besonderer freiheitsliebender Geist ihn für immer geprägt hat. Diesen Geist verdankt die Stadt den zahlreichen politisch Verbannten, die über die Jahrhunderte ihre Spuren hinterlassen haben. Als Sohn eines Priesters erlebte Schalamow dort mit zehn Jahren die Revolution und die nachrevolutionären Wirren. In der lakonischen Erzählung gelingt es ihm, seine Abrechnung mit der autoritären Welt des Vaters mit eindrucksvollen Bildern aus dem Alltagsleben der Provinzstadt zu verbinden und sie auf diese Weise in die dramatische Umbruchszeit russischer Geschichte im 20. Jahrhundert einzubetten. Der von Gabriele Leupold übersetzte Band wird durch die Fragment gebliebenen Erinnerungen an das literarische Leben im Moskau der 1920er, 1930erJahre ergänzt: ein Panorama jener Welt, die Schalamows Schreiben beeinflußt hat und an die er sich auch nach den Jahrzehnten Lagerhaft mit erstaunlicher Präzision und Detailfreude erinnert.

Gabriele Leupold und Franziska Thun-Hohenstein, die Herausgeberin der Schalamow-Werkausgabe bei Matthes & Seitz, stellen dieses Buch vor.
Hanns Zischler liest Texte von Warlam Schalamow.


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Freitag, 18. Oktober, 20 Uhr / Kaminraum


Robert Walser als literarischer Botschafter

Podiumsdiskussion mit Matthias Zschokke und Lukas Bärfuss
Moderation: Reto Sorg

Eine Veranstaltung der Robert Walser-Gesellschaft, mit freundlicher Unterstützung des Literaturhauses Berlin und des Suhrkamp Verlags Berlin

Eintritt: 5.- / 3.- Euro

 

Freitag, 19. Oktober, 20 Uhr / Kaminraum


Miniaturen von Robert Walser

Lesung mit Hannelore Hoger. Siegfried Gerlich begleitet die Lesung am Klavier. Moderation: Christoph Bungartz

Eine Veranstaltung der Robert Walser-Gesellschaft, mit freundlicher Unterstützung des Literaturhauses Berlin und des Suhrkamp Verlags Berlin

Eintritt: 8.- Euro, Mitglieder der Robert Walser-Gesellschaft 5.- Euro

 

Sonntag, 20. Oktober, Beginn 9.30 Uhr


9.30 h: »Auf den Spuren von Robert Walser in Berlin«. Busexkursion mit Gudrun Ortmanns
Treffpunkt: Hotel Bogota, Schlüterstraße 45, D-10707 Berlin

12.00 h: Führung und Besichtigung der Villa Thiede am Wannsee

13.30 h: Liebermann-Villa am Wannsee, Führung und Besichtigung von Museum,
Künstlerhaus und Garten; anschließend Mittagspause im Café Max

Anmeldungen bis zum 30. September 2013 im Sekretariat der Robert Walser-Gesellschaft unter Tel.: +41 31 310 17 70 oder E-Mail: info@robertwalser.ch

20.00 h: »er nichts als er« von Elfriede Jelinek.
Regie: Felicitas Brucker, Dramaturgie: Malin Nagel
Ort: Deutsches Theater, Schumannstraße 13a, D-10117 Berlin
Reservierungen unter www.deutschestheater.de oder service@deutschestheater.de

Eine Veranstaltung der Robert Walser-Gesellschaft, mit freundlicher Unterstützung des Literaturhauses Berlin und des Suhrkamp Verlags Berlin

 

Sonntag, 20. Oktober, 11 Uhr/ Start: Unteres Foyer



Literarische Führung in und um das Literaturhaus Berlin

Vor der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler war die Gegend um den Kurfürstendamm das kulturelle Zentrum Berlins. Unzählige Theater, Kabaretts, Cafés und Bars befanden sich links und rechts vom Kurfürstendamm. Nahezu alle Schriftsteller der damaligen Zeit wohnten im Neuen Westen. Nach 1933 nahm die Popularität des Boulevards ab. Viele Protagonisten des künstlerischen Lebens wurden ins Ausland getrieben. Unmittelbar nach dem II. Weltkrieg versuchte man, zumindest im Bereich der bildenden Kunst, an die Vielfalt vor 1933 anzuknüpfen. Am Kurfürstendamm 215 eröffnete im August 1945 die Galerie Rosen für die bis dahin verfemte moderne Kunst.
Zu Beginn der Führung wird die ereignisreiche Geschichte des jetzigen Literaturhauses beleuchtet, der anschließende Spaziergang bis zum Kudamm stellt literarische und künstlerische Persönlichkeiten vor, die in der Nähe wohnten und wirkten. Dauer ca. 2 Stunden.


Anmeldung bitte unter 030 / 88 72 86 0 (Mo bis Fr 10 bis 17 Uhr)
oder literaturhaus@literaturhaus-berlin.de
Eintritt: 5.- / 3.- Euro

 

Sonntag, 20. Oktober, 19 Uhr / Kaminraum


Ausstellung Warlam Schalamow

Alexander Solschenizyn: Im ersten Kreis der Hölle
Film, 175 Min.

Mit dem Sturz Chruschtschows durch den neo-stalinistischen Clan um Leonid Breschnew im Herbst 1964 endete die »Tauwetter-Periode«, während der Solschenizyns »Iwan Denissowitsch« 1962 in Moskau veröffentlich worden war. 1965 konfiszierte der KGB das Manuskript seines Romans »Der erste Kreis der Hölle«, 1968 erschien im Westen eine gekürzte Fassung, zehn Jahre später im Emigrantenverlag YMCA-Press die rekonstruierte vollständige Version.
Solschenizyn schildert die repressiven Verhältnisse in einem sowjetischen Speziallager für Naturwissenschaftler und Ingenieure - im Rückblick ließe sich etwa der Gesinnungswandel von Andrei Sacharow vom Urheber der sowjetischen Wasserstoffbombe (1953) zum Menschenrechtler und Dissidenten auch als Antwort auf den Roman verstehen.
Larry Sheldons Verfilmung entstand 1991 (175 Min.).

Eintritt frei

 

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Dienstag, 22. Oktober, 20 Uhr / Kaminraum


Michael Lentz: Atmen Ordnung Abgrund. Frankfurter Poetikvorlesungen

Das ist es. Der Sprache entlang schreiben. Der Sprache folgen. Ihr vertrauen, dass sie in die Realität einfädeln kann. Ihr vertrauen, dass sie Realität ist. Den Thesaurus anwerfen. Fächer aufmachen. Durch ein Labyrinth gehen. Im Dschungel sein. Die sich öffnenden Wege halten Seitenpfade verborgen, die sich erst zeigen, wenn es zu spät ist umzukehren.

                                                             Michael Lentz

Die fünf Poetikvorlesungen von Michael Lentz legen den Bodensatz der Zwangsneurose frei, die wir Literatur nennen. Sie widmen sich Fragen des poetologischen Untergrunds, auf dem die Literatur sich bewegt. Ihr rhetorisches Ordnungsgefüge, so Lentz, verdeckt nur den Abgrund, über den sie uns führt. Wo findet sich in dieser Ordnung die Angst, fragt Lentz, wo entsteht Zauber in der Rhetorik? Was hält uns, wenn wir in den Abgrund blicken?

Michael Lentz, 1964 geboren. Autor, Musiker, Herausgeber. Zuletzt erschienen der Roman »Pazifik Exil« (2007), das Theaterstück »Warum wir also hier sind« (2009), die 100 Liebesgedichte »Offene Unruh« (2010) und die Essay- und Aufsatzsammlung »Textleben« (2011).

Eintritt: 5.- / 3.- EURO

 

Donnerstag, 24. Oktober, 20 Uhr / Kaminraum


Marta Feuchtwanger – Eine emanzipierte Frau

Marta Feuchtwanger, die 1891 als Marta Löffler in München geboren wurde, ist als Mittelpunkt der Exil-Gemeinschaft ab den 40er Jahren in Los Angeles nicht wegzudenken. Sie bot gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Lion Feuchtwanger, in ihrem Haus, der Villa Aurora in Pacific Palisades, einen Ort der Zusammenkunft und des intellektuellen Austauschs. Ihre intensive Freundschaft zu anderen Exilanten in Kalifornien ist in einem regen Briefwechsel dokumentiert. 1980 erhielt Marta Feuchtwanger die Ehrendoktorwürde der University of Southern California (USC). Bis zu ihrem Tod im Jahr 1987 engagierte sie sich politisch und kulturell, und die Villa Aurora blieb ein gesellschaftlicher Treffpunkt.

Die Veranstaltung zu Ehren Marta Feuchtwangers ist Teil der 6. Internationalen Feuchtwanger Konferenz, die vom 24. – 26. Oktober in Berlin stattfindet. Sie steht im Rahmen des Themenjahrs 2013 »Zerstörte Vielfalt«, das an die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und die Novemberpogrome 1938 erinnert und sich mit der von den Nationalsozialisten nach 1933 zerstörten gesellschaftlichen Vielfalt Berlins auseinandersetzt. In Photographien, Tondokumenten, Lesungen aus ihren Briefen sowie einem von Manfred Flügge moderierten Gespräch zwischen der Journalistin Marianne Heuwagen, die Marta Feuchtwanger persönlich kannte, und Alexandra Tyrolf, die sich wissenschaftlich mit dem Thema Frauen und Exil beschäftigt, wird der Lebensweg und das Wirken dieser besonderen Frau nachgezeichnet

Die Villa Aurora, das ehemalige Wohnhaus von Lion und Marta Feuchtwanger in Los Angeles ist eine Künstlerresidenz und ein Ort internationaler Kulturbegegnungen. Zum Gedenken an die Zeit des Exils hält sie die Erinnerung an die Künstler und Intellektuellen wach, die in Kalifornien Zuflucht vor der Verfolgung durch das nationalsozialistische Regime fanden und einen bedeutenden Einfluß auf das Kulturleben an der US-amerikanischen Westküste hatten.
Der Verein mit Sitz in Berlin fördert den deutsch-amerikanischen Kulturaustausch in den Bereichen Film, Komposition, bildende Kunst und Literatur. Zudem vergibt der Verein in Kooperation mit der Feuchtwanger Memorial Library an der USC jährlich das Feuchtwanger Fellowship, das einem heute in seiner freien Meinungsäußerung beeinträchtigten Schriftsteller oder Journalisten einen Aufenthalt von bis zu neun Monaten gewährt. www.villa-aurora.org

Eintritt 5.- / 3.- Euro

 

Freitag, 25. Oktober, 14.30 – 20 Uhr / Kaminraum


Zukünfte in der Gegenwartsliteratur – Die Literaturtage des Zentrums für Literaturforschung

Der Literatur wird oft ein eigentümliches Vermögen zugeschrieben, zukünftige Entwicklungen vorherzusehen oder sogar selbst unmittelbar zu befördern. Diese Einschätzung kommt vor allem dann zum Tragen, wenn sich literarische Zukunftsvisionen in bestimmten technischen oder auch gesellschaftlichen Errungenschaften zu realisieren scheinen. Fantasien von Weltraumreisen, von miteinander vernetzten Elektronengehirnen oder von technisch veränderten Lebensformen gab es in den möglichen Welten der Literatur schon lange, bevor sie Bestandteile der wirklichen Welt wurden […]
Für den Technikphilosophen Armin Grunwald bemißt sich »die Geltung von Aussagen über die Zukunft ausschließlich nach Kriterien der Gegenwart«; Zukunft ist demnach »nicht anders als sprachlich erfaßbar«, und deshalb »kommt der Art und Weise unseres Redens über Zukunft eine entscheidende Bedeutung zu«.
Genau darin liegt die wesentliche Funktion von Literatur im Umgang mit der Zukunft: Sie macht deutlich, daß Zukunft nur versprachlicht in Erscheinung treten kann, eben weil sie als Gegenwart abwesend und als Zeitform immer nur im Kommen ist. Die Literatur kann also sehr wohl Auskunft über die Zukunft geben, aber nicht deswegen, weil sie zukünftige Gegenwarten vorhersehen kann, sonder weil sie die Aufmerksamkeit für die jeweils gegenwärtige sprachliche Verfaßtheit jeder Zukunft schärft. Zukunftswissen und Gegenwartsliteratur sind daher, wie man sagen könnte, enge Verbündete. Genau deshalb ist die Literatur unserer Gegenwart, des frühen 21. Jahrhunderts, zu einer besonderen Auseinandersetzung mit unserer Zukunft in der Lage, also mit der Art und Weise, wie heute Zukunft in den Blick genommen wird.

Es lesen und diskutieren:

14.30 h: Angelika Meier und Christina Pareigis
15.30 h: Benjamin Stein und Mona Körte

17.00 h: Dietmar Dath und Johannes Steizinger
18.00 h: Monika Rinck und Claude Haas

Eintritt frei

 

Samstag, 26. Oktober, 13.30 – 19.30 Uhr / Kaminraum


Zukünfte in der Gegenwartsliteratur – Die Literaturtage des Zentrums für Literaturforschung

13.30 h: Ein Vortrag von Benjamin Bühler und Stefan Willer

Es lesen und diskutieren:

15.00 h: Jenny Erpenbeck und Ulrike Vedder
16.00 h: Alban Nikolai Herbst und Benjamin Bühler

17.30 h: Marion Poschmann und Jörg Richter
18.30 h: Georg Klein und Stefan Willer

Eintritt frei

 

Sonntag, 27. Oktober, 20 Uhr / Kaminraum


Ausstellung Warlam Schalamow

Jewgenija Ginzburg: Mitten im Sturm
Film, 105 Min.

Jewgenija Ginzburg (1904-77) hatte schon in den 60er Jahren Schalamows im Samisdat kursierenden „Kolyma“-Erzählungen gelesen, ihre eigenen Bücher „Marschroute eines Lebens“ (zuerst 1967) und „Gratwanderung“ (1979) konfrontieren den Leser auf erschütternde Weise mit der Grausamkeit, Willkür und Irrationalität der Stalinistischen Sowjetunion mit ihren Gulags.
1937 zu zehnjähriger Lagerhaft verurteilt, wurde auch Ginzburg an die Kolyma deportiert; 1944 war sie in Belitschja im selben Krankenhaus wie Schalamow.

In ihrem 2009 uraufgeführten Film zeigt Marleen Gorris ausgewählte Passagen aus Ginzburgs Biographie.

Eintritt frei

 

  |  gefördert durch die  

 

Dienstag, 29. Oktober, 20 Uhr / Kaminraum


Jonas Mekas: Alt ist dieses, unser Sprechen. Gedichte

und über die nassen herbstlichen Felder,
durch einsame und versilberte Dörfer
fahren pfeifend immer weiter die vollen, schweren Züge,
und im schwarzen Fenster der Dampflok,
über leeren Feldern, Dörfern, Einzelgehöften,
singt, verrußt und ölverschmiert, der Lokführer.

                                          Jonas Mekas

Jonas Mekas, 1922 im kleinen litauischen Dorf Semeniškiai geboren, ist Cineasten weltweit als Schlüsselfigur des US-amerikanischen Avantgardefilms ein Begriff. Als Displaced Person hatte er 1948 in Kassel im Selbstverlag den lyrischen Zyklus »Semeniškiai-Idyllen« veröffentlicht: »Die ersten Idyllen habe ich 1947 in Deutschland geschrieben, in Kassel. Mir war allzu schwer ums Herz. Ich lief durch die Felder von Kassel, aber ich hatte nur die Felder von Semeniškiai vor Augen. Ich las die Lyrik meiner Altersgenossen, sie schrieben alle so schön – in schönem offiziellem Litauisch und immer über die Städte und das Vaterland und sehr patriotisch. Ich aber wollte nur über Semeniškiai schreiben. Ohne Poesie, gegenständlich.« Ende 1949 nach New York gelangt, verfaßte er dort 1951 den Zyklus »Reminiszenzen«, seine Odyssee durch das kriegszerstörte Deutschland und bis nach New York. Beide Dichtungen sind nun in der Übersetzung von Claudia Sinnig in dem Band »Alt ist dieses, unser Sprechen« im Kölner Matto Verlag erschienen.

Jonas Mekas und Claudia Sinnig lesen aus diesem Buch.

Gefördert durch den Verein der Freunde und Förderer des Literaturhauses Berlin e.V.

Eintritt: 5.- / 3.- EURO

 

Donnerstag, 31. Oktober, 20 Uhr / Kaminraum


Jean Paul verlegen, edieren, lesen

»Das Publikum läßt sich wie der Mensch in drei Teile zerlegen – ins Kauf- ins Lese- und ins Kunst-Publikum, wie mehrere Schwärmer den Menschen in Leib, Seele und Geist,« heißt es in Jean Pauls Vorrede zu seinem Roman: »Siebenkäs«. Die in den frühen sechziger Jahren bei Carl Hanser erschienene Ausgabe der Werke und Schriften, herausgegeben von Walter Höllerer und Norbert Miller, war in diesem Sinn ein großer Erfolg beim Kauf- wie beim Lese-Publikum, und die damals entfachte Diskussion um Jean Pauls Zugehörigkeit zur Moderne machte den Autor auch zu einem Favoriten des Kunst-Publikums, das sich unterhalb Schillers und Goethes gar nicht erst ums Lesen und Kaufen bemüht, wie das Zitat suggeriert. Am Ende des neuen Jean Paul Jubiläums denken vier, die es eigentlich wissen müssen, über das Ergebnis des Jahres nach.

Wissenschaftler und Verleger im Gespräch. Ein Abend Walter Höllerer zu Ehren.
Mit Michael Krüger, Norbert Miller und Helmut Pfotenhauer.
Moderation: Markus Bernauer.

Im Rahmenprogramm zur Ausstellung »Dintenuniversum. Jean Paul 1763/2013«, gemeinsam präsentiert von der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, dem Literaturhaus Berlin und der Stiftung Brandenburger Tor

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Stiftung Joseph Breitbach

   


Eintritt: 5.- / 3.- EURO

Ausstellungsadresse:
Stiftung Brandenburger Tor, Max Liebermann Haus, Pariser Platz 7, 10117 Berlin

 

 

 

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